Krampfadern und die Schuldfrage!

Oft stellen sich Patientinnen und Patienten die Frage wer oder was Schuld an den eigenen Krampfadern hat. Hätte man nicht eine andere Ernährungs- oder Lebensart wählen müssen, um die unansehnlichen Venen zu verhindern? Die Antwort ist: Nein! Natürlich gibt es Risikofaktoren, die einer Entwicklung von Krampfadern zuträglich sind (stehende Berufe, Übergewicht, höheres Lebensalter, Schwangerschaften, wenig Bewegung). Aber so wie es Spitzensportler mit Krampfadern gibt, gibt es auch Couch Potatos ohne. Viel wichtiger ist es folgende Fragen zu beantworten:

Was kann ich dagegen tun?

Die richtige Therapie hängt selbstverständlich vom Stadium der Erkrankung ab. Beginnend bei kosmetisch störenden Besenreisern, die mittels Sklerosierung behandelt werden können, bis hin zu defekten Klappen der Leitvenen (Veneninsuffizienz), bei welcher eine operative Therapie (Strippingoperation oder thermoablative Verfahren wie z.B. der Venenlaser) indiziert sind. Da das Krampfaderleiden eine tendenziell fortschreitende Erkrankung darstellt ist es sinnvoll, frühzeitig die Venen kontrollieren zu lassen. 

Kommen Krampfadern wieder?

Da sich die eigentliche Ursache für die sichtbaren Krampfadern (zumeist) im Bindegewebe findet ist es durchaus möglich, dass Krampfadern wieder auftreten. Ein schwaches Bindegewebe begünstigt die Ausbildung von Krampfadern. Allerdings können Krampfadern die sich nach einer Operation ausbilden, wenn sie rechtzeitig behandelt werden, meistens ohne neuerliche Operation und in einem früheren Stadion therapiert werden. Bei einer sogenannten Leitveneninsuffizienz (in welcher die Venenklappen defekt sind) ist das Ziel der operativen Therapie (Stripping oder Laser) die vollständige Entfernung des defekten Venenabschnittes. Ein Rezidiv (Wiederauftreten eines insuffizienten Venenabschnittes) stellt hier eine Ausnahme dar.

Wie ist der Verlauf einer Operation/Sklerosierung und wie sieht die Nachbehandlung aus?

Bei der Sklerosierung wird in die Venen ein Medikament eingespritzt welches die Venenwand, und somit die Krampfader oder die Besenreiser, zerstört. Diese Behandlung wird in der Ordination durchgeführt. Unmittelbar nach dem Sklerosieren sollte die Patientin/der Patient für 5 – 10 Minuten liegen bleiben. Danach für 30 Minuten spazieren gehen. Ein Stützstrumpf mit 20 – 30mmHg (auch in der Ordination erhältlich) sollte bis zu 2 Wochen getragen werden.

Ist eine operative Therapie notwendig kommt es in erster Linie auf die Art und Weise des Eingriffes an. Strippingoperationen, bei denen ein Leistenschnitt notwendig ist, sowie Laseroperationen können sowohl im Krankenhaus als auch im Eingriffsraum in der Ordination durchgeführt werden. Hierzu wird eine lokale Betäubung durchgeführt, die nicht als schmerzhaft oder belastend empfunden wird. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen der Klasse II (im orthopädischen Fachhandel erhältlich) ist vor allem nach Strippingoperationen angezeigt. Bei Laseroperationen kann unter Umständen auch ein Strumpf mit 20 – 30mmHg verwendet werden. Mit dem Stützstrumpf ist eine sofortige Mobilisation möglich und sinnvoll. Auch längere Spaziergänge und mäßige sportliche Betätigungen können in den ersten Tagen problemlos erfolgen. Nach spätestens 2 Wochen kann auch mit dem Laufen wieder begonnen werden. Die Schmerzen und Bewegungseinschränkung sind beim Lasereingriff zumeist geringer.

Ist die Behandlung schmerzhaft und wie lange bin ich außer Gefecht?

Bei der Sklerosierung wird mit einer äußerst feinen Nadel gearbeitet. Die Stiche sind kaum spürbar und auch das Einspritzen des Verödungsmittels ist in der Regel, bis auf zeitweises leichtes Brennen, gut aushaltbar. Operationen und Laserbehandlungen werden in lokaler Betäubung (im Krankenhaus auch mittels Kreuzstich) durchgeführt und sind nicht schmerzhaft. Auch nach den Eingriffen ist zumeist nur in den ersten 24h die Einnahme eines Schmerzmittels notwendig. Beim Lasereingriff sind die Beschwerden tendenziell geringer als bei der „klassischen“ Strippingoperation.

Was verstehen wir unter „stadiengerechter Behandlung“?

Um die Venenerkrankungen exakt beurteilen zu können muss vor einem Eingriff ein Ultraschall der Venen erfolgen. Hiermit kann festgestellt werden, ob die Venenklappen in der Leiste und Kniekehle funktionstüchtig sind oder nicht. Sollte eine Funktionseinschränkung der Venenklappen (eine sogenannte Klappeninsuffizienz) festgestellt werden, wird nur jener Abschnitt der Vene entfernt, in dem sich diese Funktionseinschränkung auswirkt. Besteht keine Klappeninsuffizienz sondern „nur“ Krampfadern der Seitenäste, werden auch nur diese entfernt oder sklerosiert.

Unsere Empfehlungen nach der Sklerosierung/Operation:

Nach der Sklerosierung ist für zumindest 48 Stunden eine optimale Kompression einzuhalten. Günstig ist das Tragen der Stützstrümpfe mit 20 – 30mmHg (auch in der Ordination erhältlich) für 2 Wochen. Unmittelbar nach der Sklerosierung sollte man 30 Minuten spazieren gehen. Nach einer Krampfadernoperation mit Leistenschnitt empfehlen wir das Tragen von Kompressionsstrümpfen Klasse II für 2 Wochen Tag und Nacht und für weitere 2 Wochen tagsüber. Bei der Laseroperation reicht es zumeist Stützstrümpfen mit 20 – 30mmHg für 2 Wochen zu tragen. Saunieren, direkte UV Strahlung, Solarium und Schwimmen in Pools sollte erst wieder nach 2 Wochen erfolgen.